Start-Dosierplan Tag 6

Deine ersten ICP Ergebnisse sind da!

Was Du heute am sechsten Tag zu erledigen hast


Bevor Du Dich auf Deine ICP Ergebnisse stürzt, erledigst Du zunächst noch die heute anstehenden START Dosierungen mit einer vorerst letzten planmässigen nutri-N/complete Dosis und einer vollen Dosis nutri-P/comPlex.

Wenn Du wie empfohlen an Tag 3 die erste Wasserprobe für das ICP Labor gezogen hast, wirst Du mit den jetzt vielleicht schon vorliegenden Ergebnissen einen sehr guten Eindruck von der genauen Zusammensetzung Deines verwendeten Salzes/Meerwassers bekommen. Hier bieten wir Dir wichtige und hilfreiche Infos, wie Du mit Deinen ersten Laborergebnissen umgehen solltest, worauf Du im Speziellen achten musst, und welche Werte Du zum jetzigen Zeitpunkt auch getrost ignorieren kannst.

Dein initialer Nährstoffgehalt für den ersten Korallenbesatz ist so gut wie perfekt!


Basierend auf einer guten und umfangreichen Stickstoffverfügbarkeit über die bisherigen nutri-N/complete Dosierungen und dem nun nachgeschobenen Phosphor über nutri-P/comPlex aktivierst Du die Gesamtnährstoffverfügbarkeit, die Deine Korallen, Mikroben und Bakterien jetzt zum Wachstum brauchen. Eine ausgeglichene Nährstoffverfügbarkeit ist grundsätzlich wichtig, damit alle Organismen wachsen können, denn ohne das richtige Baumaterial wie Stickstoff und Phosphor können lebende Zellen nicht funktionieren und gedeihen.

In dieser ersten START Dosierplanwoche hast Du in den ersten Dosiertagen vor allem Stickstoff im Wasser angereichert. Jetzt führst Du mit dem nutri-P/comPlex auch das wichtige Phosphat mitsamt einigen organischen Hilfsstoffen dem Wasser zu, um das Nährstoffsystem vollständig zu aktivieren. Solltest Du bereits gestern an Tag 5 mit dem ersten Korallenbesatz begonnen haben, können diese Korallen nach der nutri-P/comPlex Dosis auf eine sehr gute Nährstoffverfügbarkeit zurück greifen. Allerdings werden Deine Korallen nach dem Transportstress und mit den für sie ungewohnten Umgebungsbedingungen in Deinem neuen Becken erst einmal eine kleine Wachstumspause einlegen, weil sie sich zunächst erst für ein paar Tage akklimatisieren und erholen müssen. Es ist also nicht zwingend notwendig, dass Du jetzt schon in Deinem Wasser nach Nährstoffen über Tests suchen musst. Du hast alle relevanten Nährstoffe dosiert und diese stehen auch zur Verfügung und können von den Korallen und auch von der jetzt langsam einsetzenden Mikrobiologie und Mikrobenwelt bei Bedarf rekrutiert werden.

Halte Dich was die Messwertüberprüfung für Nitrit/Nitrat und Phosphat angeht an die Hinweise im START Dosierplan und begrenze diese Messungen auf die notwendigen Intervalle. Mache Dich also nicht selbst verrückt und versuche den dosierten Nährstoffen mit Tests jetzt schon hinterher zu laufen. Das regelmäßige Bemessen von Nitrit/Nitrat und Phosphat wird erst ab der Dosierplanwoche 2 für Dich relevant.

Deine erste ICP Analyse vom frischen Meerwasser - welche Wasserparameter sind wichtig und welche Werte spielen noch keine große Rolle?

Was genau wird überhaupt im Labor gemessen und was ist eine ICP?

Zum jetzigen Stand in 2026 gibt es im deutschsprachigen Raum mindestens ein halbes Dutzend meerwasseraquaristische Labore und damit eine große Auswahl an verfügbaren Laboranalysen. Wenngleich wir hier meistens von “ICP-Laboren” sprechen, ist die eigentliche ICP (Inductively-Coupled Plasma) nur ein von mehreren analytischen Verfahren, das in diesen Laboren zur quantitativen Bestimmung und Beurteilung unseres Meerwassers zum Einsatz kommt. Neben der ICP, die es wiederum mit zwei verschiedenen Detektionsverfahren gibt (OES als Optische Emissions Spektrometrie und die MS als  Massenspektromtrie mit einer höheren Auflösung im Ultraspurenbereich) werden einige Elemente bzw. Stoffe wie Chlorid, Fluorid, Sulfat (SO4), Nitrit (NO2) und Nitrat (NO3) in der Regel über eine Ionenchromatographie (IC) bestimmt. Darüber hinaus kommen auch kolorimetrische/photometrische Verfahren zum Einsatz, die z.B. das anorganische ortho-Phosphat (PO4) oder den Gehalt an phenolischen/aromatischen Stoffen (dazu zählen die Humin- und Fulvinsäuren, die wir als Gelbstoffe bezeichnen) mit dem sog. SAK254 Wert bestimmen. Und zu guter Letzt gibt es ein pH-abhängiges Titrationsverfahren für die KH/Alkalinität, wobei der pH-Wert über ein pH-Meter gemessen wird, sowie die Leitfähigkeitsmessung zur Bestimmung der Salinität. Etwas spezialisierter sind über all die bisher genannten Geräte und Methoden dann noch Messverfahren zur Bestimmung des gelösten organischen Kohlenstoffs (Dissolved Organic Carbon, DOC) und des gelösten organischen Stickstoffs (DON), die nicht in allen Laboren angeboten werden. Damit ist ein “ICP-Labor” hinsichtlich der hier aufgeführten analytischen Verfahren schon sehr umfangreich ausgestattet und besteht keineswegs nur aus der ICP, wenngleich die ICP zugegebenermaßen die meisten Parameter bzw. Elemente im Vergleich zu allen anderen genannten Verfahren und Systemen ausspuckt.

Allerdings messen nicht alle Labore mit ihren verschiedenen Geräten das gleiche. Zum Beispiel gibt es ICP-Geräte, die auch Chlorid bestimmen können, während in anderen Laboren ICP-Geräte verwendet werden, die aus technischen Gründen Chlorid nicht messen können, weshalb Chlorid hier über die Ionenchromatographie bestimmt werden muss. Wenn man also nur eine “ICP” bucht, was es im Angebot der Labore auch gibt (oft sind auch “Pröbchen” von den Laboren in goody bags oder Salzeimern als giveaway eine reine ICP Bestimmung), dann fehlen im Laborprotokoll manchmal Elemente oder Stoffe wie Chlorid oder Fluorid, weil diese nicht via ICP bestimmt werden können. Werte wie die KH, Salinität oder auch Nitrat wirst Du bei einer reinen ICP Messung ebenfalls nicht im Laborprotokoll finden, weil diese Parameter über ganz eigene Verfahren unabhängig von der ICP gemessen werden und daher auch meistens nur Bestandteil von größeren Labortests sind. Auch hier gibt es Unterschiede, d.h. in den großen, umfangreichen Labortests  (die wir auch oft vereinfacht als ICP-Test bezeichnen, wenngleich viele Werte überhaupt nicht via ICP gemessen werden) wird zwar fast immer die KH/Alkalinität gemessen, allerdings nicht immer der pH Wert als gesonderte Bestimmung. Manchmal wird die Salinität bei kleinen Analysen gar nicht ausgegeben, bei größeren Analysen manchmal über die ICP-Auswertung berechnet und in anderen Laboren über die Leitfähigkeit gesondert bestimmt. Manche Labore geben nur das Gesamtphosphat über die Phosphorbestimmung in der ICP-Messung aus, andere messen zusätzlich noch das anorganische Phosphat über ein Photometer. In einigen Laboren wird Nitrit und Nitrat bestimmt, in anderen nur Nitrat. Der Liefer- bzw. Untersuchungsumfang ist also von Labor zu Labor und von Produkt zu Produkt unterschiedlich, worüber Du Dich im Vorfeld informieren kannst, in dem Du in den jeweiligen Produktinformationstexten genau nachliest, welche Parameter gemessen werden. Verstehe diese allgemeinen Informationen zu Deinem Verständnis, dass es mitunter erhebliche Unterschiede zwischen den Laboren gibt, was wie gemessen und was im Laborprotokoll ausgewertet und ausgegeben wird. An dieser Stelle sei auch direkt gesagt: alle Labore messen richtig, auch wenn die Werte der gleichen Probe, die Du spasseshalber an verschiedene Labore verschickt hast, in einem bestimmten Umfang voneinander abweichen können. Der Grund liegt in den jeweils genutzten Geräten und wie diese laborspezifisch kalibriert und eingestellt sind. Daraus ergeben sich vermutlich zu Deiner Verwunderung oder sogar zu Deinem Unmut mehr oder weniger offensichtliche Unterschiede in den Ergebnissen zwischen den Laboren. Aber, sie sind trotzdem alle richtig gemessen! Deshalb sind solche Laborvergleichstests eher in den Bereich des Unfugs zu verfrachten und stellen keinesfalls die bessere Qualität des einen Labors gegenüber dem anderen Labor dar.

Die Hauptkomponenten: Von Natrium/Chlorid bis Fluorid (und wie sich daraus die Salinität ergibt)

Die ICP Analytik war für die Meerwasseraquaristik nicht nur ein ganz besonderer und wegweisender Schritt, weil damit eine Vielzahl von Spurenelementen bestimmt werden konnte, sondern in erster Linie deshalb, weil wir mit der ICP überhaupt in der Lage waren, die Meerwasserzusammensetzung in all ihren Hauptbestandteilen vollständig zu beurteilen. Diesen Vorteil kannst Du auch hier nutzen, um die Qualität Deines gekauften Meersalzes zu bewerten. Zu den Hauptbestandteilen zählen nicht nur Calcium, Magnesium oder Kalium, die wir schon in Heimtests mehr oder weniger gut bestimmen konnten, sondern die gesamte Reihe an uns bis dahin nicht bestimmbarer Hauptkomponenten: zum einen Natrium, Chlorid und Sulfat als die Elemente bzw. Stoffe mit dem größten Massenanteil im Meerwasser, und zum anderen die geringer konzentrierten Inhaltsstoffe wie Bromid, Strontium, Bor und Fluorid. Wenn man in einem ICP Protokoll alle Hauptkomponenten des Meerwassers (das sind alle Elemente bzw. Stoffe, die höher als 1 mg/L im Meerwasser vorliegen) nach ihrem Gehalt auflistet, ergibt sich in absteigender Reihenfolge: Chlorid (ca. 20.000 mg/L), Natrium (ca. 11.000 mg/L), Magnesium (ca. 1350 mg/L), Schwefel (ca. 900 mg/L), Calcium (ca. 420 mg/L), Kalium (ca. 395 mg/L), Bromid (ca. 67 mg/L), Strontium (ca. 8 mg/L), Bor (ca. 4,5 mg/L) und Fluorid (ca. 1,2 mg/L). Wenn man die in Klammern angegeben Zahlen aufaddiert, ergibt sich ein Wert von ca. 34.094 mg/L, also ca. 34,1 g/L (im Weiteren wird auf das circa “ca.” verzichtet, es sei darauf hingewiesen, dass es sich hier um keine 100% exakten sondern um annähernd realistische Zahlen handelt).

Du siehst also, dass die Addition der Gehalte aller Hauptinhaltsstoffe den Salzgehalt des Meerwassers widerspiegelt. Allerdings entspricht dieser Wert von 34,1 g/L wie soeben aufsummiert nicht ganz der tatsächlichen Salinität. Zum einen fehlen in der obigen Aufsummierung noch die Carbonate (Hydrogen- oder Bicarbonat, HCO3 und Carbonat, CO3), die wir indirekt über die KH/Alkalinität beurteilen (weil sie nicht via ICP gemessen werden können), die aber aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Konzentration kaum Einfluss auf die Salinität haben und an dieser Stelle nur rein faktisch erwähnt werden müssen, um korrekt zu sein. Zum anderen und hierfür viel wichtiger, weil Schwefel (S) im Gegensatz zu allen anderen Elementen nicht als elementarer Schwefel im Meerwasser vorliegt, sondern als die chemische Verbindung Sulfat (SO4). Da eine ICP nur Elemente bestimmen kann, wird im ICP Protokoll immer Schwefel (S) als tatsächlich gemessenes Element aufgeführt. Sulfat ist jedoch eine chemische Verbindung aus einem Schwefelatom (S) und vier Sauerstoffatomen (O4), daher SO4. Man rechnet von Schwefel zu Sulfat mit dem Faktor 3 um (dieser Faktor ergibt sich aus den jeweiligen Atommassen), d.h. zur Berechnung der Salinität nimmt man zur Aufaddierung mit allen anderen Hauptkomponenten nicht die 900 mg/L Schwefel, sondern 900 x 3 = 2700 mg/L Sulfat. Daraus resultiert ein Wert von 35.946 (statt vorher 34.094) mg/L, also aufgerundet ca. 36 g/L. ABER: auch das ist immer noch nicht die Salinität. Denn genau genommen betrachtet die Salinität die Masse aller Meerwasserinhaltsstoffe bezogen auf 1 kg Meerwasser, also Gramm pro Kilogramm (g/kg) und nicht Gramm pro Liter (g/L). Ein Liter Meerwasser wiegt aufgrund der darin gelösten Salze mehr als 1 L Süßwasser, nämlich nicht genau 1 kg, sondern 1,0235 kg (was dem Wert der Dichte von Meerwasser bei 25°C entspricht). Wir müssen also die aufaddierten 35,95 g/L durch den Wert der Meerwasser Dichte 1,0235 kg/L teilen, um daraus resultierend den Wert für die tatsächliche Salinität von ca. 35,1 g/kg zu erhalten. Diese (wiederum) gerundeten 35 g/kg sind der Zielwert für die Salinität, die wir in der Regel innerhalb der Meerwasseraquaristik als Optimum annehmen und empfehlen.

Da sich g/kg als Einheiten eliminieren, hat man in der Wissenschaft als Ersatz für eine Einheit der Salinität den Begriff “practical salinity unit, psu” gewählt. Allerdings würde auch die Darstellung “Promille” Gültigkeit haben (so wie es im englischen Sprachraum mit der Angabe “parts per million, ppm” auch üblich ist, was nichts anderes ist als unser “Promille”), weil sich g bezogen auf 1000 g (1 kg) genau in dieser Relation zeigt. Du wirst also häufig der idealerweise im ozeanischen Meerwasser vorliegenden Salinität entweder als 35 psu oder als 35 Promille (bzw. im Englischen ppm) begegnen, wobei wir in der Meerwasseraquaristik in der Regel auch die wissenschaftlich geprägte psu als Ersatz für die Einheit der Salinität bevorzugen.

Dieser kurze, wenngleich etwas mathematische Exkurs soll Dir nicht nur erklären, was die Salinität eigentlich genau über das Meerwasser aussagt (nämlich die Summe der Massen aller Hauptkomponenten in 1 kg Meerwasser), sondern warum man mit den Ergebnissen aus einem ICP Protokoll die Salinität aus den einzeln gemessenen Werten auch zuverlässig berechnen kann (Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Messwerte stimmen, was durch die hohe Qualität in den Labormessungen auch gewährleistet ist). Noch zur Vollständigkeit und für Dein Verständnis sei erwähnt, dass alle übrigen Meerwasserinhaltsstoffe, also alle Spurenelemente, so gering im Meerwasser vorhanden sind (geringer als 1 mg/L), dass sie auf die Salinität keinen signifikanten und darstellbaren Effekt haben. Die Elemente und Stoffe, die maßgeblich die Salinität bestimmen, sind Chlorid und Natrium (also das Kochsalz, NaCl) sowie Sulfat (SO4), und Magnesium mit einem schon eher geringen Einfluss. Alle übrigen Hauptkomponenten machen dann im Prinzip nur noch die Nachkommastelle aus, weshalb es auch Labore gibt, die die Salinität nur aus den drei oder inklusive Magnesium vier genannten Bestandteilen berechnen und damit für die aquaristische Praxis ausreichend gut liefern. Es erklärt Dir auch, weshalb Du in einigen “kleinen” ICP Analysen keine Angabe zur Salinität findest, weil in vielen ICP Geräten aus technischen Gründen Chlorid nicht gemessen werden kann, genau aber Chlorid mit seinen ca. 20 g/L (20.000 mg/L) Massenanteil zur Salinitätsberechnung essentiell ist. Du kannst hier zwar den gemessenen Natriumgehalt als ungefähren Marker nehmen (der ca. bei 11.000 mg/L liegen sollte bei 35 psu), aber faktisch kann die Salinität nur dann berechnet und im Laborprotokoll ausgegeben werden, wenn auch Chlorid bestimmt wird. Fluorid als Hauptkomponente mit seinen gerade einmal 1,2 mg/L hat wiederum keinen signifikanten Einfluss auf die Exaktheit der Salinitätsberechnung, weshalb Fluorid hierfür keine Rolle spielt.

Die Neben- und Spurenelemente: Iod und die physiologisch relevanten Metalle (v.a. Eisen, Mangan, Molybdän).

Wenn Du frisch angesetztes oder auch nur wenige Tage altes Meerwasser (wie im Beispiel in dieser Anleitung an Tag 3) beprobst und ins Labor schickst, sind die gemessenen physiologisch relevanten Spurenmetalle meistens auffällig höher als später im laufenden Betrieb. In diese Gruppe an Metallen gehören Eisen, Mangan, Zink, Nickel, Vanadium, Kupfer, Chrom und Cobalt. Der Grund dafür ist, dass alle für sowohl synthetische Meerwasserkonzentrate, als auch für die verschiedenen Meersalzmischungen verwendeten Ausgangsrohstoffe selbst in der pharmazeutischen Qualität leichte Verunreinigungen mit zumindest einigen der genannten Spurenmetalle zeigen. Zwar deklarieren einige Salzhersteller, dass sie viele dieser Metalle aktiv der Rezeptur zuführen, was man als Anwender zugegebenermaßen nicht kontrollieren sondern nur glauben kann, aber die meisten dieser Spurenmetalle wie z.B. Zink sind alleine schon als Verunreinigungsrückstand aus den verwendeten Ausgangssalzen wie z.B. Natrium-, Calcium- oder Magnesiumchlorid vorhanden.

Allerdings sind Spurenmetallverunreinigungen bei pharmazeutisch reinen Rohsalzen in einem unbedenklichen und auch physiologisch normalen Bereich, die aber in einer ICP Analyse etwas deutlicher ausschlagen können als später im normal laufenden und gesund versorgten Aquarium. Die hierbei auffälligsten Elemente sind Eisen (Fe) und Mangan (Mn), die beide in Rieselhilfsstoffen enthalten sind und die extrem hoch in frischem Meerwasser gemessen werden können, worauf im Weiteren noch genauer eingegangen wird (siehe unten). Abgesehen von Fe und Mn schlagen vor allem Zink (Zn), gelegentlich auch Vanadium (V) und Kupfer (Cu), seltener Nickel, Chrom oder Cobalt leicht aus. Zink kann z.B. durchaus bis zu einem Bereich von 10 µg/L in frisch angesetztem Meerwasser nachweisbar sein. Ändern kannst Du daran nichts, musst es aber auch nicht, weil dieser Konzentrationsbereich immer noch in einem in der Regel unbedenklichen und physiologisch annehmbaren Rahmen liegt und sich meistens schon innerhalb weniger Tage oder 1-2 Wochen durch biogenen Verbrauch, chemische Ausfällung und/oder filtertechnische Bindung/Export (z.B. Aktivkohle, Adsorber oder Abschäumung) verringert. Wichtig ist an dieser Stelle natürlich zu berücksichtigen, dass mögliche auffällige Spurenmetalle gar nicht aus dem verwendeten Meersalz, sondern aus Deinem Osmosewasser kommen, was Du innerhalb größerer Laboranalysen mit einer separaten Osmoseprobe sichtbar machen kannst (siehe Tag 3).

Thema Rieselhilfsmittel: Eisen und Mangan sind in frisch angesetztem synthetischen Meerwasser und auch in Meerwasserkonzentraten fast immer auffällig und zum Teil extrem hoch gemessen (bis hin zu >100 µg/L), wobei Du hier nicht erschrecken musst. Beide Metalle sind Bestandteile von organischen Metallverbindungen, sog. Rieselhilfsstoffe (engl. “anti-caking agents”), die das Verklumpen und Verbacken der Salze verhindern (z.B. Natriumhexacyanidoferrat). Manche Meersalze zeigen hier nur Eisen oder nur Mangan, manchmal auch beide Metalle gleichzeitig, je nach Hersteller. Deine ICP-Analyse vom frischen Meerwasser wird also einen mitunter hohen Eisen- und/oder Mangan-Wert aufweisen, der Dir in der Analyse vom Labor aufgrund des meist automatisierten Auswertungsmechanismus in einem Ampelsystem rot markiert wird. Aber keine Sorge: weder das Eisen, noch das Mangan sind in dieser Form bioverfügbar und sie richten keinen Schaden an. Mit der Zeit werden diese organischen Metallverbindungen abgeschäumt oder werden von Aktivkohle gebunden. Du musst hier aktiv nichts unternehmen!

Die potentiellen Schadstoffe: Alu, Lithium, Zinn, Antimon und co.

In Bearbeitung

Die Nährstoffe: Nitrit/Nitrat, Phosphor/Gesamtphosphat und Silikat

In Bearbeitung

Neben der freien anorganischen Form liegt Phosphat innerhalb der Organismen in organischen Verbindungen und Molekülen gebunden vor, z.B. zusammen mit Stickstoff in der Erbsubstanz/DNA (also in Nukleinsäuren), in Zellmembranen als Phospholipide, oder auch als Energiespeicher in Form von Polyphosphaten. Beim Abbau von organischem Material (Futterreste, Mulm und Detritusdepots, absterbende Organismen) kann dieses organische Phosphat in Dein Wasser gelangen und sich dort entweder zeitweise anreichern, oder kann bakteriell oder durch Einsatz z.B. von Ozon zu anorganischem Phosphat umgewandelt werden. Zuhause kannst Du organisches Phosphat nicht gut messen, weil Dein Test nur das anorganische, reaktive Phosphat bestimmen kann. Durch Aufkochen  der Wasserprobe (Hitzeaufschluss) kannst Du zwar zuhause auch einen Großteil an organischen Phosphatverbindungen in anorganisches Phosphat umwandeln und würdest dann im abgekühlten Zustand im kolorimetrischen Test einen höheren Wert bestimmen als im Test vorher. Allerdings kannst Du nicht wissen, ob die organischen Phosphatverbindungen z.B. für Korallen, oder auch für Bakterien verfügbar und nutzbar sind. Daher ist ein organischer Phosphatanteil immer schwierig in der Interpretation.

Während Du zuhause mit dem Hitzetest etwas tricksen musst, um mögliches organisches Phosphat zu erfassen, ist eine ICP aufgrund ihrer Methodik dazu in der Lage ist, das Element Phosphor (P) nicht nur aus dem anorganischen Phosphat, sondern gleichzeitig auch aus organischem Phosphat zu erfassen. Deshalb wird das ICP Laborprotokoll zunächst den tatsächlich gemessenen Phosphor-Wert in der Regel in µg/L angeben, um daraus das sog. Gesamtphosphat zu berechnen (Umrechnungsfaktor von P zu PO4 = 3,06). Gesamtphosphat bedeutet also die Summe aus im Wasser gelöstem anorganischem Phosphat PLUS möglichem organischen Phosphat, während Du im Phosphat Heimtest nur das reaktive anorganische Phosphat bestimmen kannst. Daher kommt es nicht selten vor, dass der Gesamtphosphatgehalt im ICP Laborprotokoll mitunter deutlich höher ausfällt als unserer eigener Messwert zuhause. Das Labor hat hier also nicht falsch gemessen, sondern lediglich den organischen Phosphatanteil mit gemessen, der für uns zuhause schlecht nachweisbar wird. Idealerweise würde also ein Labor einerseits Gesamtphosphat via ICP und in einer separaten kolorimetrischen Messung (wie bei Dir zuhause) nur den anorganischen ortho-Phosphatgehalt bestimmen. Aus der Differenz ergibt sich dann der Anteil an organischem Phosphat im Wasser, der möglicherweise auch Anzeiger für bestimmte Probleme im Becken sein kann (dazu an anderer Stelle mehr). Da im Idealzustand und in einem gesunden Meerwasseraquarium der Anteil an organischem Phosphat entweder nur sehr gering, oder sogar nicht vorhanden ist, würde sich der im Laborprotokoll als Gesamtphosphat angegebene Wert mit Deinem Messwert zuhause mehr oder weniger gut decken.

Erweiterter Fragenkatalog zu diesem Thema

Welcher ICP Rhythmus ist am Anfang sinnvoll und muss man überhaupt ICP/Laboranalysen machen?

In Bearbeitung